Eine sanfte Behandlung

[Mobilisierende Massage des Arms]

Leitgedanke

Ich gebe sanfte Behandlungen und versuche keinen Schmerz auszulösen. Ich beabsichtige den Muskeln zu helfen, statt sie zu mit einer harten Massage zu ‚bestrafen‘. Die Muskeln sind ihrer Symptome unschuldig. Sie versuchen nur so gut wie sie können das zu tun, was der Körper von ihnen verlangt. Wenn ein Muskel schmerzhaft oder angespannt ist, liegt die Ursache in der Regel außerhalb des Muskels. Wenn es in der Behandlung nicht gelingt den Muskel mit sanften Handgriffen zu entspannen, dann reagiert er fast immer auf ein Problem an einer anderen Stelle im Körper. Das mit viel Kraftaufwand Wegmassieren von Muskelspannung leitet selten zu bleibendem Erfolg und kann selbst neue Beschwerden hervorrufen. Darum versuche ich immer mir davon eine Vorstellung zu machen, was hinter den Symptomen steckt. Ich versuche an erster Stelle auf die vermutlichen Ursachen der Beschwerden einzuwirken. Weil es viele möglichen Ursachen geben kann, habe ich viele verschiedenen Behandlungsmethoden gelernt. Ich benutze hauptsächlich mobilisierende Massage, Kalevala-Knochensetzen und sanfte osteopathische Techniken . Mit den Letztgenannten kann man auf fast alle Körperteile und anatomischen Strukturen einwirken, auch auf solche, die man nicht oder nicht gefahrlos massieren kann. Immer denke ich daran und versuche mit meinen Händen zu spuren, wie die Technik, die ich verwende, die mutmaßlichen Ursachen der Symptome beeinflusst.

Warum schmerzen Muskeln und verspannen sich?

[Trapezius triggerpunkte, Travell & Simons Band 1 Abb. 6.2] ‘Travell & Simons’, Band 1, Abb. 6.2.

Es gibt viele möglichen Ursachen für verspannte oder schmerzhafte Muskeln. Die Folgende sind die häufigste:

  • Die Bedingungen für das Funktionieren der Muskeln sind weniger günstig geworden. Wenn z. B. ein Nerv eingeklemmt ist, werden alle davon versorgten Muskeln und Gelenkbänder schwächer und werden sie schnell schmerzhaft. Wenn der Fluss der Gewebeflüssigkeit behindert ist, fangen die Muskeln an zu schmerzen und werden sie müde. Wenn die einen Muskel umhüllende Faszie sich nicht frei von den nebenan liegenden Geweben bewegen kann, kann der Muskel nicht normal funktionieren. Auch Stress, Krankheiten und Ernährung haben Einfluss auf das Wohlbefinden der Muskeln.
  • Die Muskeln versuchen etwas zu schützen. Wenn eine Bewegung Schmerz auslöst, spannen die Muskeln sich an, sodass die Bewegung schwer oder unmöglich wird. Wenn eine Bewegung Gefahr für eine anatomische Struktur (z. B. einen Nerv) verursachen kann, bringen die Muskeln diese Bewegung zum Stehen bevor sie (mehr) Schaden zufügen kann. Die Muskeln tun dies so geschickt, dass Sie das Problem in der schutzbedürftigen Struktur nicht einmal bemerken.
  • [Vorübergebeugt am PC]
  • Die Muskeln reagieren auf einen Haltungsfehler. Wenn der Körper oder dessen Teil zu einer Seite neigt, müssen die Muskeln an der anderen Seite diese Neigung entgegenwirken. Fehler in der Haltung entwickeln sich meistens über eine lange Zeit und können Ursachen haben, die dem Masseur nicht bekannt sind oder er nicht einfach beeinflussen kann. Eine dieser ist eine schlechte Ergonomie, was bedeutet, dass die Arbeitsumgebung unzureichend dem Menschen angepasst ist oder dass der Mensch sich nicht so gut wie möglich an die Arbeitsumgebung angepasst hat. Darum gelingt es nur selten Haltungsfehler völlig zu korrigieren, aber meistens ist es doch möglich die von Haltungsfehlern verursachte Beanspruchung der Muskulatur zu vermindern.
  • Die Symptome sind eine Projektion eines Problems an einer anderen Stelle im Körper. Jedes Organ beeinflusst über das Nervensystem spezifische Muskeln und Gelenkbänder. Z. B. ein ‚Frozen Shoulder‘ kann die Folge einer Funktionsstörung des Magens oder der Leber sein. Probleme in Muskeln reflektieren sich in anderen Muskeln über die Faszie und über Triggerpunkte. Triggerpunkte können entstehen durch alle in diesem Kapitel genannten Ursachen.

Alle diese Beispiele verdeutlichen, dass es wichtig ist die Ursachen von Muskelverspannung zu begreifen, sie zu behandeln, wenn es möglich ist, und sonst wenigstens sie in der Behandlung zu berücksichtigen.